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Marquise von O

Morgen, morgen

nach Marquise von O und Heinrich von Kleist

Es gab einen Mädchentraum: Ein Junge/Mann vergewaltigt es, es hat Sex und bleibt unschuldig , der junge Mann ist hübsch, klug, reich und heiratet es. Es gab einen Jungentraum: Das Mädchen, das er will, wird ohnmächtig, er kann Samen in sie stoßen, ohne von ihr schuldig gesprochen zu werden.

Ich glaube, er war Beamter in Moskau und trank viel; eines Morgens sah er Sonnenstrahlen in einem Glas, es machte Erinnerungen, er stand auf, streichelte Frau und Kinder, fuhr zum Flugplatz, flog, hielt den Platz neben sich leer, stieg aus, fuhr, lief, und dann lag in stiller Einsamkeit O. Er fragte einen alten Mann nach einer Frau und erfuhr, daß sie verführt, verlassen worden war, ein Bauer hatte sie geheiratet, der alte Mann sah ihn durchdringend an. Ich glaube, der Beamte ging dann auf einen Hügel, saß und schlief ein. Er wachte im Dunklen auf, und alles um ihn war sehr gespenstisch. Wenn ich mich richtig erinnere, versuchte er, wegzulaufen, und verlor einen Schuh. Am Morgen suchte er nach dem Haus, wo die Frau leben sollte, es war nur eine alte Frau da, sie reichte ihm Wasser und verwandelte sich kurzzeitig in seine ehemalige Geliebte, er sprach sie mit Namen an, sie reagierte nicht. Auf dem Rückweg sah er einen Bauern mit einem Jungen und dachte: Das ist nun mein Sohn. Das schrieb ich mit sechzehn. Ich sagte öfters: Ich bin nicht Marquise von O! oder fragte: Bin ich Marquise von O? Was das genau meinte, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, es war politisch.

Personen:

Marquise

Obrist

Obristin

Kammerdienerin

Jäger

Offizier der feindlichen Truppen = Graf

Befehlshaber der feindlichen Truppen

Soldaten der feindlichen Truppen

sprechende Bäuche

Bühnenbild: Die Gegenstände des Bühnenbildes (Tisch, Lampe,...) sind Bäuche, die Bäuche haben Münder.

1. Akt

Burgplatz.

Obrist, Obristin, Marquise, zwei Kinder, Jäger.

Offizier, Soldaten, Befehlshaber der feindlichen Truppen.

Geschützdonner. Obrist, Obristin, Marquise, zwei Kinder.

Obrist: Es ist zu spät. Ich werde mich nunmehr verhalten müssen, als wären Sie nicht da.

Obrist ab.

Obristin: In den Keller!

Marquise: Kinder!

Feuer.

Marquise: Wo seid ihr?

Obristin, Kinder ab.

Soldaten der feindlichen Truppen auf. Sie packen die Marquise, schleifen sie über die Bühne, reißen an ihren Kleidern.

Soldat: Ich will sehen, ob die Reiche auch nur ein Weib ist.

Offizier der feindlichen Truppen auf.

Offizier: Bestien!

Der Offizier schlägt nach seinen Soldaten mit dem Säbel.

Soldat: Wir wären für dich krepiert.

Soldaten ab.

Marquise liegt in Ohnmacht, er richtet sie auf.

Obrist auf.

Obrist: Was ist hier?

Marquise: Er hat mich gerettet.

Offizier: Ich bitte Sie, höflich, sich zu ergeben.

Obrist: Das hatte ich vor.

Offizier: Löscht!

Marquise: Wer ist dieser Mann?

Jäger auf.

Jäger: Er ist Graf. Ritter mehrerer Orden.

Das Feuer erlischt.

Marquise: Ich will ihm danken.

Bauch: Eine hölzern wirkende Frau nimmt ein Buch aus einem Regal, die Bibliothek ist in einem Koffer, den ein Mann trägt, der Raum um den Mann schwankt, als sei auch er in einem Koffer, der Mann, der ihn trägt, geht auf einen Zug zu, steigt an ihm hoch, überquert ihn, steigt ab, auf einem Band, das sich über mehrere Züge hoch und runter hinzieht, zu einem löchrigen Haus führt, auf das eine Dampflok zurast, die sich in einen schwarzen Käfer verwandelt, er ist eine Taube.

Offizier: Ich erhielt Rapporte mehrerer Offiziere. Ich muß Abschied nehmen, in den Krieg zurück.

Offizier ab.

Befehlshaber der feindlichen Truppen auf.

Befehlshaber: Ich bezeuge Ihnen meine Hochachtung. Es tut mir leid, daß das Glück Ihren Mut nicht besser unterstützte. Sie können sich hinbegeben, wohin Sie wollen.

Obristin: Verwundete, Tote.

Obrist: Meine Tochter kam mit dem Leben, der Ehre davon. Ich verdanke es Ihrem Offizier.

Obristin: Er verließ die Burg.

Offizier auf.

Offizier: Ich werde sie verlassen.

Befehlshaber: Was fiel vor?

Offizier: Im Krieg werden Menschen gelegentlich zu Tieren.

Befehlshaber: Krieg ist, um Tierähnliche zu Menschen zu machen. Wer -

Offizier: Was?

Befehlshaber: faßte die Tochter des Burgherren, an.

Offizier: Ich erkannte keine Gesichter.

Befehlshaber: Das Haus brannte, es war hell, Sie kennen Ihre Leute, Sie müßten sie an der Stimme erkennen.

Offizier: Ich dachte daran, daß ich die Frau befreien, Feuer löschen lassen muß.

Jäger: Ich steckte einen der Männer, die Ihr Offizier verletzt hatte, in eine leere Regentonne.

Befehlshaber: Holt ihn!

Jäger wirft einen blutüberströmten Soldaten auf die Bühne.

Befehlshaber: Wer war bei dir? Salzwasser. Glut!

Der Soldat zeigt auf Soldaten.

Befehlshaber: Erschießt sie!

Offizier: Ich muß mich verabschieden.

Offizier ab.

Obristin: Er ist ein traumhafter Mann.

Marquise: Ein Engel.

Obrist: Ich will ihm danken, ich weiß nicht wie.

Obristin: Ich auch nicht.

Marquise: Ich bin ihm so dankbar.

Jäger: Er ist tot.

Obristin: Wer?

Jäger: Der Graf wurde im Gefecht mit feindlichen Truppen erschossen.

Marquise: Wer sagt das?

Jäger: Ich guckte nach einem Wildschwein oder Hirsch. Ich sah es mit eigenen Augen.

Obristin: Die feindlichen Truppen sind unsere Landsleute.

Marquise: Ist er tot?

Jäger: Als der Schuß ihn traf, rief er: Julietta! Diese Kugel rächt dich.

Obristin: Was heißt das?

Marquise: Ich scheine eine Namensvetterin zu haben. Ich werde nach ihr suchen lassen, ich will ihr helfen. Er wich mir aus Bescheidenheit aus, ich hätte zu ihm gehen, mich vor seine Füße werfen sollen.

Oberbefehlshaber: Ich ehre Ihre Gefühle. Ich muß Sie bitten, das Haus zu verlassen. Ich hörte, Sie haben Güter, in die Sie sich zurückziehen können.

Obristin: Ein Landgut.

Obrist: Ich verstehe die Sprache der Kühe und Gänse nicht, ich will in die Stadt.

Oberbefehlshaber: Es gibt dort einen ordentlichen Puff.

Obristin: Sie lassen uns gehen, wohin wir wollen, hier müssen wir weg und Ihnen dankbar sein.

Oberbefehlshaber: Ich bitte darum, daß das Dienstmädchen bleibt.

Obristin: Wir müssen Ihnen Dankbarkeit bezeugen.

Marquise: Der Graf ist tot.

2.Akt

Ein Stadtzimmer. Offene Bücher, eine Staffelei. Speisetafel.

Obrist, Obristin, Marquise, Forstmeister, Graf, Kammerdienerin.

Die Kammerdienerin ist schwanger.

Obristin, Marquise.

Obristin: Seine Blase wird schwächer.

Marquise: Wenn mir eine Frau sagte, daß sie ein Gefühl hätte, ebenso, wie ich jetzt, da ich die Tasse ergriff, so würde ich denken, daß sie in gesegneten Umständen wäre.

Obristin: Ich verstehe nicht.

Marquise: Ich hatte eben ein Gefühl, an das ich mich erinnern kann, ich habe zwei Kinder.

Obristin: Sie würden einen Phantasus gebären.

Marquise: Morpheus oder einer der Träume aus seinem Gefolge wird sein Vater sein.

Obristin: Schweig! Dein Vater.

Obrist auf.

Obristin: Ich bin froh, daß dein Bruder zu Gast ist, die Jagderlebnisse, die er erzählt, haben neue Einzelheiten, sie lenken von den Befindlichkeiten, die die Stadtluft mit sich zu bringen scheint, ab.

Kammerdienerin auf.

Kammerdienerin: Ich melde den Grafen!

Obrist: Wen?

Kammerdienerin: Der Graf steht im Vorzimmer, wartet.

Marquise: Der Graf ist tot.

Der Obrist öffnet die Tür.

Obrist: Ich dachte, Sie sind tot.

Graf auf.

Graf: Wie geht es Ihnen?

Marquise: Sehr wohl. Ich hörte, Sie sind tot.

Graf: Es ist eine Mattigkeit in Ihrem Gesicht, Sie sind unpäßlich und leiden.

Marquise: Ich glaubte, Sie sind tot. Ich bin kränklich, ich weiß nicht, warum. Ich nehme an, es hat keine Folgen.

Graf: Ich auch. Wollen Sie mich heiraten? Verstehen sie meine Frage?

Obrist: Ich bitte Sie, setzen Sie sich.

Obristin: In der Tat, wir werden glauben, daß Sie ein Geist sind, bis Sie uns eröffnet haben, wie Sie aus dem Grabe, in welches man Sie gelegt hatte, erstanden sind.

Graf: Ich habe wenig Zeit, kurz: Ich wurde tödlich getroffen, ich dachte an die Marquise und konnte nicht sterben. Es war Lust und Schmerz im Gefühl. Ich ging zur Armee zurück. Ich wollte Ihnen schreiben, ich zerriß jeden Brief. Ich wurde mit Depeschen nach Neapel geschickt, ich werde vermutlich nach Konstantinopel oder nach Petersburg weiterreisen müssen, aber ich will nicht Weiterleben, bis ich die Forderung meiner Seele erfüllt habe: Ich habe den innigen Wunsch, mit der Hand der Frau Marquise beglückt zu werden, und bitte auf das ehrfurchtsvollste, inständigste und dringendste, sich gütig zu erklären.

Bauch: Eine Frau hat Fischhände, Fischbeine, die Fische sind Augen, das Schwarze in ihnen Kanonenkugeln, sie fliegen hinaus, zwischen Stahlnetzen hin und her, werden Männer, die in einem Ganggewirr kriechen, sie finden nicht raus, Frauen schieben unter die Gitterwege Hocker oder ziehen sie mit Kranhaken nach oben, Das ist Helfen. Oder Quälen.

Obrist: Ihr Antrag, falls er ernsthaft ist, woran ich nicht zweifeln will, ist schmeichelhaft für mich. Meine Tochter beschloß nach dem Tod ihres Mannes, sich nicht wieder zu vermählen; aber sie ist Ihnen zutiefst verpflichtet, deshalb scheint es mir möglich, daß sich ihr Entschluß, Ihren Wünschen gemäß, ändern wird. Sie sollten ihr Zeit, nachzudenken, lassen.

Graf: Ihre Antwort befriedigt mich, sie würde mich beglücken, falls ich nicht die ganze Unschicklichkeit fühlen würde, mich mit derselben nicht zu beruhigen: es gibt Verhältnisse, über die ich nicht sprechen kann, die mich drängen, um eine bestimmtere Erklärung zu bitten. Die Pferde, die mich nach Neapel bringen sollen, stehen vor dem Wagen. Falls etwas für mich spricht, bitte ich Sie, mich nicht ohne eine gütige Antwort, abreisen zu lassen.

Obrist: Die Dankbarkeit meiner Tochter verpflichtet sie, doch nicht so, daß sie bei einem Schritt, bei welchem es das Glück ihres Lebens gilt, ohne Klugheit verfahren sollte. Sie werden ihr erlauben müssen, Sie näher kennenzulernen. Ich bitte Sie, auf Ihrer Rückreise für längere Zeit unser Gast zu sein.

Graf: Ich sagte meinen ungeduldigen Wünschen dieses Schicksal voraus. Ich bin ratlos. Ich kann für meinen Ruf einstehn, ich tat nur einmal Nichtswürdiges, es ist nur mir bekannt, und ich bin dabei, es wieder gutzumachen.

Obrist: Es ist meine Pflicht mit meiner und Ihrer Familie Rücksprache zu nehmen.

Graf: Ich habe keine Eltern mehr. Für die Einwilligung meines Onkels, er ist General, kann ich einstehn. Ich habe ein Vermögen und kann mir vorstellen, hier zu leben.

Obrist: Ich sagte Ihnen, was ich erklären muß. Ich warte auf Ihre Rückreise. Wir sollten von anderem sprechen.

Graf: Ich tat mein Äußerstes, der Reise nach Neapel auszuweichen. Mein Onkel gab mir nicht nach, weil er hoffte, die Reise könnte mich von meiner Schwermut erlösen. Sie tut das Gegenteil. Falls es mir hilft, werde ich die Weiterreise um eins zwei Tage verschieben.

Obrist: Sie sind Offizier.

Obristin: Gehn Sie, gehn Sie, Herr Graf, reisen Sie nach Neapel; schenken Sie uns, wenn Sie wiederkehren, auf einige Zeit das Glück Ihrer Gegenwart; so wird sich das übrige finden.

Graf: Meine Hoffnungen waren übereilt. Sie haben Recht, wenn Sie auf eine nähere Bekanntschaft bestehn. Ich werde die Depeschen an das Hauptquartier zurückschicken und Ihr gütiges Angebot, Gast des Hauses zu sein, annehmen.

Obrist: Ich bedauere, daß Sie durch meine Tochter in diese Leidenschaft gekommen sind. Ich hoffe, sie wird Ihnen nicht ernsthaftere Unannehmlichkeiten bereiten. Sie müssen wissen, ob Sie bleiben oder den Auftrag erfüllen.

Graf ab.

Obristin: Er kann nicht Depeschen, die er nach Neapel bringen soll, zurückschicken, weil er nach fünf Minuten von einer ihm gänzlich unbekannten Frau kein Jawort erhält.

Forstmeister auf.

Forstmeister: Sein Leichtsinn müßte mit Festungshaft bestraft werden.

Obrist: Kassation. Er wird sich besinnen.

Obristin: Wo hatte ihn die Kugel getroffen? Sie sollten ihm nachgehen, ihn zur Besinnung bringen.

Obrist: Ich würde das Gegenteil bewirken; er würde zu glauben beginnen, daß er mich erpressen kann.

Marquise: Er wird die Depeschen abschicken, weil er sich keine Blöße geben will. Er scheint gewohnt, Damenherzen wie Festungen zu erobern.

Marquise sieht aus dem Fenster.

Marquise: Er übergibt seinem Adjudanten Briefe.

Obrist sieht aus dem Fenster.

Obrist: Herr Graf, falls Sie nicht gewichtige Gründe haben

Graf: Gewichtige.

Obrist: Ich würde wenigstens die Depeschen

Graf: Sie gelten in Neapel nichts ohne mich.

Obrist: Ihr Onkel

Graf: Seine Post wird mich hier erreichen. Wo ist mein Zimmer? Ich werde mich beim Gouverneur der Gegend anmelden.

Forstmeister: Es ist, als hätte er einen Grund, sich so zu benehmen.

Obrist: Wir sollten in seiner Gegenwart von anderem reden.

Obristin: Er ist schön, nett, klug, er wird sich für sein Auftreten entschuldigen.

Marquise: Sie hätten ihn nach Neapel lassen sollen.

Obrist: Hätte ich den Priester holen oder ihn arretieren und mit Bewachung nach Neapel schicken sollen?

Marquise: Sie hätten lebhafter und eindringlicher ihm gegenüber sein können.

Graf auf.

Graf: Meine Fieberträume waren lebhaft und eindringlich: ich verwechselte Ihre Tochter mit einem Schwan, den ich in meiner Kindheit gesehn hatte, er wurde mit Kot beworfen, tauchte in die Tiefe und rein auf; er war in feurigen Fluten, ich konnte ihn nicht zu mir locken. Ich liebe Sie außerordentlich.

Graf ab.

Obrist: Sein Onkel wird ihn vor Kassation, Entehrung, schützen.

Forstmeister: Oder nicht.

Obristin: Könntest du ihm irgendetwas sagen, das das Unglück verhindern könnte?

Marquise: Es tut mir leid, daß meine Dankbarkeit auf so eine harte Probe gestellt wird. Doch es war mein Entschluß, mich nicht wieder zu vermählen; ich mag mein Glück nicht, und nicht so unüberlegt, auf ein zweites Spiel setzen.

Obrist: Sagen Sie ihm das.

Forstmeister: Gefällt er Ihnen?

Marquise: Er gefällt mir und mißfällt mir. Wie ihnen.

Obristin: Wenn er von Neapel zurückkehrte, und die Erkundigungen, die wir inzwischen über ihn einziehen könnten, dem Gesamteindruck, den du von ihm empfangen hast, nicht widersprächen: wie würdest du dich, falls er alsdann seinen Antrag wiederholte, erklären?

Marquise: In diesem Fall würde ich - da in der Tat seine Wünsche so lebhaft scheinen, sie um der Verbindlichkeit willen, die ich ihm schuldig bin, erfüllen.

Obristin: Es freut mich.

Forstmeister: Falls Sie ihm die Hand geben wollen, sollten sie es sofort tun, ich kenne Schleichwege, der Graf könnte den Adjudanten, der die Briefe zum Onkel bringt, abfangen.

Obristin: Vielleicht reicht ihm die Zusicherung, daß du bis zu seiner Rückkunft aus Neapel, keinen anderen Mann anhören wirst.

Marquise: Diese Erklärung kann ich ihm geben, ich bin nicht sicher, daß sie ihn beruhigen wird.

Obristin: Ich will es versuchen. Was meinst du?

Obrist: Ich muß mich diesem Mann schon das zweite Mal ergeben.

Forstmeister: Falls er noch nicht entkleidet ist, soll er zu uns kommen. Herr Graf!

Der Graf auf, fällt der Marquise zu Füßen.

Graf: Sie ließen mich rufen.

Obrist: Ich möchte Ihnen sagen

Graf: Ich weiß genug. Ich will einen Reisewagen.

Obrist: Ich hoffe, Ihre Hoffnungen

Graf: Nichts! Nichts! Es ist nichts geschehn, wenn die Erkundigungen, die sie über mich einziehn mögen, dem Gefühl widersprechen, das Sie mich ins Zimmer rufen ließ. Ich hoffe die Depeschen einzuholen, ich werde tun, was ich kann, die Reise nach Konstantinopel abzulehnen. Zur Not, werde ich krank. Julietta, ich bin einigermaßen beruhigt, obschon es mein sehnlicher Wunsch war, mich noch vor meiner Abreise mit Ihnen zu vermählen.

Obrist: Zu vermählen!?

Graf: Vermählen.

Marquise: Sind Sie von Sinnen?

Graf: Sie werden mich verstehn.

Obrist: Ich verstehe nichts.

Graf: Ich bitte Sie, herzlich, nicht nachzudenken.

3.Akt

Stadtwohnung.

Obrist, Obristin, Marquise, Arzt, Hebamme, Forstmeister, Kammerdienerin.

Obristin, Marquise.

Obristin: Die Informationen sind gut.

Bauch: Eine weiße Eule sitzt auf dem Rand eines Schornsteins, sie öffnet ihre befiederte Haut, zeigt dem Schornsteinfeger Fernsehbilder, der stürzt ab, der Fernseher entleert sich, steht als Aschenbecher auf dem Schreibtisch eines Mannes, der eine Zigarre raucht, mit der er schreibt.

Marquise: Über ihn?

Obristin: Ja.

Marquise: Ich freue mich. Aber es geht mir nicht gut. Im Bauch scheint sich Wasser zu sammeln.

Obristin In Ihrem?

Marquise: Ja.

Obristin: Der Arzt ist bei Ihrem Vater, ich werde ihn zu Ihnen schicken.

Arzt: Ich wollte bereits nach Ihnen sehn. Sie sind seit einigen Wochen sehr blaß.

Marquise: In dem Bauch bewegt sich etwas.

Arzt: Blähungen?

Marquise: Nein.

Mutter ab. Arzt untersucht sie.

Arzt: Sie urteilten richtig.

Marquise: Was heißt das?

Arzt: Sie sind gesund, sie brauchen keinen Arzt. Sie bekommen ein Kind.

Marquise: Raus! Ich habe keine Lust, über Gegenstände dieser Art zu scherzen.

Arzt: Sie scherzen!

Marquise: Ich werde meinen Vater über Ihre Beleidigung unterrichten.

Arzt: Ich kann die Aussage vor Gericht beschwören.

Marquise: Wie soll es geschehn sein?

Arzt: Das werde ich Ihnen nicht zu erklären brauchen.

Arzt ab.

Marquise: Ich bin also verrückt.

Obristin auf.

Obristin: Warum sind Sie so unruhig?

Marquise: Der Arzt sagte, ich sei schwanger.

Obristin: Er ist unverschämt und nichtswürdig. Sie sollten es Ihrem Vater erzählen.

Marquise: Er wird seine Behauptung wiederholen.

Obristin: Hat er recht?

Marquise: Eher, daß die Gräber befruchtet werden, und sich aus dem Schoße der Leichen eine Geburt entwickeln wird.

Obristin: Nun, du liebes wunderliches Weib, was beunruhigt dich? Wenn dein Bewußtsein dich reinspricht: wie kann dich ein Urteil, und wäre es das einer ganzen Konsulta von Ärzten, nur kümmern? Ob das seinige aus Irrtum oder Bosheit entsprang: gilt es dir nicht völlig gleichviel? Es ist schicklich, daß wir es dem Vater entdecken.

Marquise: Wie kann ich mich beruhigen? Habe ich nicht mein eigenes, innerliches, mir nur allzu wohlbekanntes Gefühl gegen mich? Würde ich nicht, wenn ich in einer andern meine Empfindung wüßte, von ihr selbst urteilen, daß es damit seine Richtigkeit habe?

Obristin: Es ist entsetzlich.

Marquise: Bosheit! Irrtum! Was kann dieser Mann, der uns bis auf den heutigen Tag schätzenswürdig erschien, für Gründe haben, mich auf eine so mutwillige und niederträchtige Art zu kränken? Mich, die ihn nie beleidigt hatte? Die ihn mit Vertrauen, und dem Vorgefühl zukünftiger Dankbarkeit, empfing? Bei der er, wie seine Wort zeugten, mit dem reinen und unverfälschten Willen erschien, zu helfen, nicht Schmerzen, grimmigere, als ich empfand, zu erregen? Und wenn ich in der Notwendigkeit der Wahl an einen Irrtum glauben wollte: ist es möglich, daß ein Arzt, auch nur von mittelmäßiger Geschicklichkeit, in solchem Fall irre?

Obristin: Und gleichwohl muß es doch notwendig eins oder das andere gewesen sein.

Marquise: Ja, liebste Mutter, das muß es! Obschon die Umstände so außerordentlich sind, daß es mir erlaubt ist, daran zu zweifeln. Ich schwöre, weil es doch einer Versicherung bedarf, daß mein Bewußtsein gleich dem meiner Kinder ist, nicht reiner, Verehrungswürdigste, kann das Ihrige sein. Gleichwohl bitte ich Sie, mir eine Hebamme rufen zu lassen, damit ich mich, von dem, was ist, überzeuge, und gleichviel alsdann, was es sei, beruhige.

Obristin: Eine Hebamme! Ein reines Bewußtsein und eine Hebamme!

Marquise: Eine Hebamme, meine teuerste Mutter, und das augenblicklich, wenn ich nicht wahnsinnig werden soll.

Obristin: Oh, sehr gern, nur bitte ich, das Wochenlager nicht in meinem Hause zu halten.

Marquise: Wenn irgendein unsträfliches Leben, ein Leben, nach Ihrem Muster geführt, mir ein Recht auf Ihre Achtung gibt, wenn irgendein mütterliches Gefühl auch nur, solange meine Schuld nicht sonnenklar entschieden ist, in ihrer Brust für mich spricht: so verlassen Sie mich in diesem entsetzlichen Augenblick nicht.

Obristin: Was ist es, das dich beunruhigt? Ist es weiter nichts als der Ausspruch des Arztes! Weiter nichts, als dein innerliches Gefühl?

Marquise: Nichts weiter.

Obristin: Nichts? Julietta. Besinne dich. Ein Fehltritt, so sehr er mich schmerzen würde, er ließe sich, und ich müßte ihn zuletzt verzeihn; doch wenn du, um einen mütterlichen Verweis auszuweichen, ein Märchen von der Umwälzung der Weltordnung ersinnen, und gotteslästerliche Schwüre häufen könntest, um es meinem, dir nur allzugern gläubigen Herzen aufzubürden: so wäre das schändlich; ich würde dir nicht wieder gut werden.

Marquise: Möge das Reich der Erlösung einst so offen vor mir liegen, wie meine Seele vor Ihnen. Ich verschwieg Ihnen nichts.

Obristin: O Himmel! Mein liebenswürdiges Kind. Wie rührst du mich! Was, in aller Welt, fürchtest du? Du bist krank.

Marquise: Ich bin nicht krank. Ich leide nur an einem sonderbaren und unbegreiflichen Zustand.

Obristin: Zustand! Was für ein Zustand? Wenn dein Gedächtnis über die Vergangenheit so sicher ist, welch ein Wahnsinn der Furcht. Kann ein innerliches Gefühl, das doch nur dunkel sich regt, nicht trügen?

Marquise: Nein! Und wenn Sie die Hebamme rufen lassen wollen, so werden Sie hören, daß das Entsetzliche wahr ist.

Obristin: Komm, meine liebste Tochter, komm, folge mir, und lege dich zu Bett. Was meintest du, das dir der Arzt gesagt hat? Dein Gesicht glüht! Wie du an allen Gliedern zitterst! Was war es, was dir der Arzt gesagt hat?

Marquise: Ich bin meiner Sinne mächtig. Der Arzt hat mir gesagt, daß ich in gesegneten Leibesumständen bin. Lassen Sie die Hebamme rufen: und sobald sie sagt, daß es nicht wahr ist, bin ich wieder ruhig.

Obristin: Gut, gut. Sie soll gleich kommen; sie soll gleich, wenn du dich von ihr willst auslachen lassen, erscheinen und dir sagen, daß du eine Träumerin, und nicht recht klug bist.

Obristin läutet. Kammerdienerin erscheint, ihr dicker Bauch ist verschwunden, ihr Rock blutig.

Obristin: Ich will eine Hebamme.

Kammerdienerin ab. Hebamme auf.

Obristin: Sie waren im Haus?

Hebamme: Ich besuchte meine Nichte.

Obristin: Sie ist blutverschmiert.

Hebamme: Sie hatte eine Geschwulst im Bauch.

Obristin: Meine Tochter ist tugendhaft, sie hat Wahnvorstellungen, sie will von Ihnen untersucht werden; Sie sollten sie beruhigen.

Hebamme untersucht.

Hebamme: Es gibt Junges Blut und die Arglist der Welt. Schwangere Witwen behaupten, auf Ödländern gelebt zu haben. Sie sollten sich nicht beunruhigen, der muntere Korsar, der zur Nachtzeit gelandet war, wird sich finden.

Marquise fällt in Ohnmacht.

Obristin: Julietta! Willst du dich mir entdecken, willst du den Vater mir nennen?

Bauch: Eine Kutsche fährt durch den Wald, Räuber oder Rächer sitzen als Vögel in den Bäumen, sie picken in die Luft, sie können nicht auffliegen, ihre Beine kleben am Holz, aus ihren Augen wachsen Stäbe, Hände, die sie losbrechen, sie können nichts sehen.

Marquise: Ich werde wahnsinnig.

Obristin: Geh! Du bist nichtswürdig. Verflucht sei die Stunde, in der du geboren warst.

Obristin ab.

Marquise: Kann eine Frau unwissentlich empfangen?

Hebamme: Ist das Ihr Fall?

Marquise: Nein. Es interessiert mich allgemein.

Hebamme: Bei der Heiligen Jungfrau soll es gewesen sein, sonst nicht.

Marquise: Ich habe Wehen. Gehen Sie nicht!

Hebamme: Keine Wehen; Sie haben Angst. Ich kann das Kind, sobald es geboren wurde, wegbringen; es wird niemand von Ihrem Fehltritt erfahren.

Marquise: Gehen Sie!

Hebamme ab. Kammerdienerin auf.

Kammerdienerin: Ein Brief Ihrer Mutter.

Marquise: Mein Vater wünscht, daß ich das Haus verlasse.

Kammerdienerin: Er hat es Ihrer Mutter diktiert.

Marquise: Mutter! Vater! Ich bin unschuldig! Was macht euch so ungerecht? Ich bitte euch, mir zuzuhören!

Bauch: Rehe ziehen einen Schlitten, in dem ein Mann mit rotem Mantel, roter Mütze, weißem Bart steht, der Sack auf seinem Rücken wedelt im Wind wie eine Fahne.

Forstmeister auf.

Forstmeister: Der Vater wünscht, Sie nicht mehr zu sehen.

Marquise: Mein liebster Bruder! Teuerster Vater!

Obrist auf.

Obrist: Hinweg!

Obrist zieht eine Pistole, schießt in die Decke. Obristin fällt in Ohnmacht.

Marquise: Man soll sogleich anspannen. Wo sind die Kinder?

Obrist: Die Kinder bleiben hier.

Marquise: Sie sind unmenschlich, Sie können mich niederschießen, aber mir nicht meine Kinder entreißen. Kinder!

Bauch: Männer treideln ein abgetakeltes Segelboot, auf ihm stehen Soldaten in blauen Jacken, mit Spielzeuggewehren, sie streicheln sich verschämt zwischen den Beinen, ihnen folgt ein Hochzeitspaar aus schwarzem und weißem Marmor auf einem Floß, das Pudel ziehen, bis sie ertrinken.

Obristin erwacht.

Obrist: Es tut mir leid, daß Sie den Schrecken umsonst hatten. Ich will die Kinder.

Obristin: Das dürfen Sie nicht tun.

Obrist: Geh! Und schaff sie mir!

4.Akt

Stadthaus mit Souterrainwohnung.

Obrist, Forstmeister, Graf, Obristin, Kammerdienerin.

Zimmer in der oberen Etage.

Obrist, Forstmeister.

Graf auf.

Graf: Ich reiste nicht nach Konstantinopel, ich kehrte zurück. Wo ist Ihre Tochter?

Obrist: Ich habe dringende Erledigungen zu tun. Mein Sohn wird Sie unterhalten.

Obrist ab.

Forstmeister: Sie wissen, was geschah?

Graf: Nein.

Forstmeister: Meine Schwester ist Witwe, sie ist schwanger.

Graf: Warum legte man mir so viele Hindernisse in den Weg? Wenn die Vermählung erfolgt wäre: so wäre alle Schmach und alles Unglück uns erspart.

Forstmeister: Sind sie rasend?

Graf: Sie ist mehr wert als die, die sie verachten. Sie ist unschuldig. Ich werde meinen Antrag wiederholen.

Forstmeister: Dieses Haus hat einen Hintereingang, sie ist unten. Sie sind Ihrer Sinne beraubt!

Forstmeister ab.

Kammerdienerin auf.

Kammerdienerin: Sie wünscht niemanden zu sprechen.

Graf: Was tut sie?

Kammerdienerin: Stricken.

Graf: Stricken?

Kamerdienerin: Sie strickt für das Kind. Soll ich ihr sagen - Sie sind der Graf?

Graf: Nein. Ich werde im Gasthaus absteigen und mich schriftlich anmelden.

Kammerdienerin ab.

Graf steigt durch ein Fenster, hangelt nach unten, steigt in das der Souterrainwohnung.

Souterrainwohnung.

Marquise: Sie Graf? Von wo ist es möglich?

Graf: Durch ein Fenster, das ich offen fand. Ich glaubte auf Ihre Verzeihung rechnen zu dürfen, und trat ein.

Marquise: Hat man Ihnen nichts gesagt?

Graf: Alles, geliebte Frau, doch ich bin von Ihrer Unschuld überzeugt.

Marquise: Wie? Und Sie kommen gleichwohl?

Graf: Der Welt zum Trotz, Ihrer Familie zum Trotz, und dieser lieblichen Erscheinung zum Trotz.

Marquise: Hinweg!

Graf: So überzeugt, Julietta, als ob ich allwissend wäre, als ob meine Seele in deiner Brust wohnte.

Marquise: Lassen Sie mich!

Graf: Ich komme, meinen Antrag zu wiederholen, und das Los der Seligen, wenn sie mich erhören wollen, von Ihrer Hand zu empfangen.

Marquise: Lassen Sie mich augenblicklich! Ich befehle es Ihnen!

Graf: Geliebte!

Marquise: Sie hören!

Graf: Ein einziges, heimliches, geflüstertes -!

Marquise: Ich will nichts wissen.

Marquise ab. Kammerdienerin auf.

Kammerdienerin: In Rußland werden die adligen Frauen Terroristin, Krankenschwester oder Lehrerin. Sie will das Kind.

Forstmeister auf.

Forstmeister: Nahm sie Ihren Antrag an?

Graf: Ich werde ihr schreiben.

Forstmeister: Ihre Leidenschaft macht Sie irrsinnig. Sie ist auf dem Weg, eine andere Wahl zu treffen. Hier.

Forstmeister reicht ihm eine Zeitung.

Forstmeister: Glauben Sie, die Person, die sie sucht, wird sich finden?

Graf: Unzweifelhaft. Nun ist es gut! Nun weiß ich, was ich zu tun habe. Ich werde Sie wiedersehn.

Raum in der oberen Etage.

Obrist, Obristin.

Obrist: Sie reden nicht mit mir.

Obristin: Es tut mir leid, daß ich Ihnen gehorchte.

Obrist: Wir könnten über anderes reden.

Obristin: Fiel Ihnen nicht auf, daß unsere Tochter einen ihr fremden Mann heiraten wollte und wie rasend der Graf sie zu heiraten wünschte?

Obrist: Über anderes.

Obristin reicht ihm eine Zeitung.

Obristin: Die Zeitung von gestern. Ich kam in andere Umstände, ohne zu wissen, warum. Ich bitte den Vater des Kindes, das ich gebären werde, sich bei mir zu melden. Ich bin aus Familienrücksichten entschlossen, ihn zu heiraten.

Obrist: Oh! Sie ist unschuldig.

Obristin: Wie? Unschuldig?

Obrist: Sie hat es im Schlaf getan.

Obristin: Und so ein ungeheurer Vorwurf wäre -?

Obrist: Die Närrin!

Kammerdienerin auf.

Kammerdienerin: Die Zeitung von heute.

Obristin: Was steht drin?

Kammerdienerin: Die Aufforderung, daß sich die Marquise am 3ten um 11 Uhr im Zimmer ihres Vaters aufhalten soll: dort will sich der, den sie sucht, ihr zu Füßen werfen.

Obristin: Nun sage mir, um des Himmels willen, was hältst du davon?

Obrist: O die Schändliche! O die verschmitzte Heuchlerin! Zehnmal die Schamlosigkeit einer Hündin, mit zehnfacher List des Fuchses gepaart, reichen an die ihrige nicht! Solch eine Miene! Zwei solche Augen! Ein Cherub hat sie nicht treuer!

Obristin: Aber was in aller Welt, wenn es eine List ist, kann sie damit bezwecken?

Obrist: Was sie damit bezweckt? Ihre nichtswürdige Betrügerei, mit Gewalt will sie sie durchsetzen. Auswendig gelernt ist die Fabel, die sie uns beide, sie und er, am 3ten hier aufbürden wollen. Mein liebes Töchterchen , soll ich sagen, das wußte ich nicht, wer konnte das denken, vergib mir, nimm meinen Segen, und sei wieder gut. Die Kugel dem, der am 3ten morgens über meine Schwelle tritt! Es müßte denn schicklicher sein, ihn mir durch Bedienten aus dem Hause zu schaffen.

Obristin: ‘Bedienten ?

Obrist: Diener.

Obristin: Wenn ich von zwei unbegreiflichen Dingen, einem Glauben beimessen soll, dann glaube ich eher an ein unerhörtes Spiel des Schicksals als an die Niederträchtigkeit meiner Tochter.

Obrist: Tu mir den Gefallen und schweig. Es ist mir verhaßt, wenn ich nur davon höre.

Kammerdienerin auf.

Kammerdienerin: Ihre Tochter bittet, da ihr die Gnade versagt ist, in Ihrem Zimmer erscheinen zu dürfen, denjenigen, der am 3ten morgens bei Ihnen erscheinen wird, zu ihr zu schicken.

Kammerdienerin ab.

Obristin: Sie scheint auf Ihre Verzeihung keine Ansprüche zu machen! Erlauben Sie mir, sie zu besuchen? Ich habe einen Einfall, ich werde sie, falls sie wirklich denjenigen, der ihr durch die Zeitung als ein Unbekannter geantwortet, schon kennt, in eine Lage bringen, in welcher sie ihre Seele verraten muß, auch wenn sie die abgefeimteste Verräterin wäre.

Obrist: Ich verbiete es dir.

Obristin: Angst, wieder versagt zu haben?

Obristin ab.

Souterrainraum.

Kammerdienerin.

Obristin auf.

Kammerdienerin: Ihre Tochter wünscht niemanden zu sehen.

Obristin: Ich bin die Mutter.

Marquise auf.

Marquise: Teuerste Mutter. Welch ein glücklicher Zufall ist es, dem ich Ihre mir unschätzbare Erscheinung verdanke?

Obristin: Ich will Sie, wegen dem, was Sie in diesem Haus erleiden mußten, um Verzeihung bitten.

Marquise: Verzeihung!

Obristin: Denn nicht nur, daß die in den letzten öffentlichen Blättern eingerückte Antwort auf die bewußte Bekanntmachung, mir sowohl als dem Vater, die Überzeugung von deiner Unschuld gegeben hat; so muß ich dir auch eröffnen, daß er sich selbst schon, zu unserem großen und freudigen Erstaunen, gestern im Hause gezeigt hat.

Marquise: Wer hat sich -? Welcher er selbst hat sich gezeigt-?

Obristin: Er, der Verfasser jener Antwort, er persönlich, an welchen dein Aufruf gerichtet war.

Marquise: Wer ist es? Wer? Wer?

Obristin: Das möchte ich dich erraten lassen. Denn denke, daß sich gestern, da wir beim Tee sitzen, und eben das sonderbare Zeitungsblatt lesen, ein Mensch, von unserer genauesten Bekanntschaft, mit Gebärden der Verzweiflung ins Zimmer stürzt, und deinem Vater, und bald darauf auch mir, zu Füßen fällt.

Marquise: Wer?

Obristin: Wir, unwissend, was wir denken sollen, fordern ihn auf, zu reden. Darauf spricht er: sein Gewissen lasse ihm keine Ruhe, er sei der Schändliche, der die Frau Marquise betrogen, er müsse wissen, wie man sein Verbrechen beurteile, und wenn Rache über ihn verhängt werden solle, so komme er, sich ihr selbst dazubieten.

Marquise: Aber wer? Wer?

Obristin: Wie gesagt, ein junger, sonst wohlerzogener Mensch, dem wir eine solche Nichtswürdigkeit niemals zugetraut hätten. Doch erschrecken wirst du nicht, meine Tochter, wenn du erfährst, daß er von niedrigem Stand, und von allen Forderungen, die man sonst an deinen Gemahl machen dürfte, entblößt ist.

Marquise: Gleichviel, meine vortreffliche Mutter, er kann nicht ganz unwürdig sein, da er sich Ihnen früher, als mir, zu Füßen geworfen hat. Aber, wer? Wer? Wer? Sagen Sie mir: wer?

Obristin: Der Jäger. Den ich, falls du ihn wahrnahmst, schon mitgebracht habe, um ihn dir als Bräutigam vorzustellen.

Marquise: Den Jäger.

Obristin: Was erschreckt dich? Hast du Gründe daran zu zweifeln?

Marquise: Wie? Wo? Wann?

Obristin: Das will er nur dir anvertrauen. Scham und Liebe, meinte er, machen es ihm unmöglich, sich einer anderen darüber zu erklären, als dir. Doch wenn du willst, so öffnen wir das Vorzimmer, wo er mit klopfendem Herzen, auf den Ausgang wartet; und du magst sehen, ob du ihm sein Geheimnis, indessen ich abtrete, entlockst.

Marquise: Gott, mein Vater! Ich war einst in der Mittagshitze eingeschlummert, und sah ihn vor meinem Diwan gehen, als ich erwachte.

Obristin: O meine Tochter. O du vortreffliche. O ich Nichtswürdige!

Marquise: Was ist Ihnen, Mutter?

Obristin: Denn begreife, o du reinere als Engel sind, das von allem, was ich dir sagte, nichts wahr ist; daß meine verderbte Seele an solche Unschuld nicht, als von der du umstrahlt bist, glauben konnte, und daß es dieser schändlichen List erst bedurfte, um mich davon zu überzeugen.

Marquise: Meine teuerste Mutter.

Obristin: Nein, eher nicht von deinen Füßen weich ich, bis du mir sagst, ob du mir die Niedrigkeit meines Verhaltens, du Herrliche, Überirdische, verzeihen kannst.

Marquise: Ich Ihnen verzeihen, meine Mutter! Stehen Sie auf, ich beschwöre Sie!

Obristin: Du hörst, ich will wissen, ob du mich noch lieben, und so aufrichtig verehren kannst, als sonst?

Marquise: Ehrfurcht und Liebe sind nie aus meinem Herzen gewichen. Wer konnte mir, unter so unerhörten Umständen, Vertrauen schenken? Ich bin glücklich, daß Sie nun von meiner Unsträflichkeit überzeugt sind!

Obristin: Nun denn, so will ich dich auf Händen tragen, mein Kind. Du sollst bei mir dein Wochenlager halten; und wären die Verhältnisse so, daß ich einen jungen Fürsten von dir erwartete, mit größerer Zärtlichkeit und Würdigkeit nicht, würde ich dich pflegen. Die Tage meines Lebens weiche ich nicht mehr von deiner Seite. Ich biete der ganzen Welt Trotz: Ich will keine andere Ehre mehr als deine Schande: wenn du mir wieder gut wirst, und die Härte, mit der ich dich behandelte, vergißt.

Marquise: Herzerliebste Mutter, Sie haben Fieber.

Obristin: Ich werde mich ausruhn. Wie wirst du den Jäger ansehn?

Marquise: Wer weiß, wer am 3ten kommt -.

Obristin. Ahnungen?

Marquise: Nein.

Obristin: Angst?

Marquise: Nein. Ja.

Obristin ab.

Bauch: Aus einem Felsen schiebt sich ein Rohr, in ihm liegen Pfeil und Bogen, ein Mann nimmt sie und schießt Vögel, die, an den Flügeln vernäht, als Girlanden zwischen Bäumen hängen. Eine Katze trommelt mit den Vorderpfoten, ihr Schwanz bewegt sich im Takt, sie sieht den Schwanz, und jagt ihm hinterher. Ein Auto fährt zwischen enge Wände, die Mauern rücken näher, der Wagen wird kleiner, Spielauto, über ihm schwankt ein Kronleuchter aus Samt, eine seiner Quasten ist ein Männerglied, es lockt, läßt Männer, Frauen fliegen, sie stürzen nicht in den Abgrund, als der Boden unter ihnen bricht.

Obristin auf.

Obristin: Ich habe Zeit gebraucht, ihn zu überzeugen.

Marquise: Wen?

Obristin: Er sitzt und weint.

Marquise: Wer?

Obristin: Er. Wer sonst, als der, der die größte Ursache dazu hat.

Marquise: Vater!?

Obristin: Wie ein Kind! So daß ich, wenn ich mir nicht selbst die Tränen hätte aus den Augen wischen müssen, gelacht hätte, sobald ich aus der Türe heraus war.

Marquise: Wegen mir? Und ich hier -!?

Obristin: Nicht von der Stelle! Er diktierte mir den Brief! Hier sucht er dich auf, wenn er mich, solange ich lebe, wiederfinden will.

Marquise: Meine teuerste Mutter -

Obristin: Unerbittlich! Er griff nach der Pistole.

Marquise: Ich beschwöre Sie -

Obristin: Du sollst nicht! Und wenn er nicht heute vor Abend kommt, zieh ich morgen mit dir weiter.

Marquise: Sie sind hart und ungerecht!

Obristin: Beruhige dich! Er kommt.

Marquise: Wo? Ist wer draußen vor der Tür, dies heftige -?

Obristin: Allerdings. Er will, daß wir ihm die Tür öffnen.

Marquise: Lassen sie mich!

Obristin: Wenn du mir gut bist, bleib!

Obrist auf.

Marquise: Mein teuerster Vater!

Obristin: Nicht von der Stelle! Du hörst! Er soll dir abbitten! Warum ist er so heftig? So hartnäckig? Ich liebe ihn, dich auch; ich ehre ihn, dich auch. Und muß ich eine Wahl treffen, so bist du vortrefflicher, als er, und ich bleibe bei dir.

Obrist weint.

Marquise weint.

Obristin: Aber mein Gott! Er kann gar nicht sprechen!

Marquise: Setzen Sie sich! Ich bitte Sie, setzen Sie sich!

Obristin: Soll ich einen Arzt rufen? Ich werde ihm etwas Stärkendes kochen und sein Bett anwärmen.

Obrist zieht sein Tochter auf den Schoß, streichelt, wiegt sie, küßt sie auf den Mund.

Obristin: Was für ein seliger Anblick! Wie ein Brautpaar. Wer wird kommen?

5.Akt

Obristin: Wer wird kommen?

Forstmeister: Falls er erträglich ist, kann er bleiben, sonst nicht. Sie litt, sie soll glücklich werden.

Obristin: Wir könnten ihm helfen.

Forstmeister: Es gibt Menschen, denen wir nicht helfen können.

Obrist: Falls er nicht bleiben kann, werde ich das Kind adoptieren.

Marquise: Ich will mein Kind, es soll einen Vater haben.

Obrist: Wir sollten die Marquise jetzt allein lassen.

Marquise: Sie sollen bleiben, ich will keine Geheimnisse! Er selbst scheint den Wunsch zu haben, daß Sie zugegen sind; mir gefiel das in seinem Brief.

Obristin: Lassen Sie die Männer gehen, liebe Tochter, ich bleibe bei Ihnen. Es schlägt gleich elf.

Obrist, Forstmeister ab.

Marquise: Hören Sie mein Herz?

Obristin: Ich höre meins.

Jäger auf.

Jäger: Der Graf. Er ist vorgefahren und läßt sich anmelden.

Marquise: Schließt die Türen! Wir sind für ihn nicht zu Hause.

Graf in Kriegsuniform auf.

Obristin: Julietta! Ich bitte dich, Julietta, wen erwarten wir denn?

Marquise: Ihn doch nicht -?

Obristin: Wen sonst, wir Sinnlosen, als ihn -?

Marquise: Ich werde wahnsinnig werden, meine Mutter!

Obristin: Du Törin. Unglückliche! Was fehlt dir? Was ist geschehn, worauf du nicht vorbereitet warst?

Graf: Liebe! Gnädige! Verehrungswürdigste!

Obristin: Stehen Sie auf, Herr Graf, stehn Sie auf! Trösten Sie jene; so sind wir alle versöhnt, so ist alles vergeben und vergessen.

Marquise: Gehn Sie! Gehn Sie! Auf einen lasterhaften Mann war ich gefaßt, auf keinen - Teufel! Ruft den Obristen!

Obristin: Julietta!

Obrist auf.

Marquise: Diesem Mann, Vater, kann ich mich nicht vermählen!

Obrist: Was fiel vor?

Obristin: Frage nicht; dieser junge Mann bereut von Herzen alles, was geschehn ist; gib deinen Segen, gib, gib: so wird alles noch glücklich enden.

Obrist: Möge der Fluch des Himmels von Ihrem Scheitel weichen. Wann gedenken Sie zu heiraten?

Obristin: Morgen. Morgen oder heute, wie du willst; dem Herrn Grafen, der so viele schöne Beeiferung gezeigt hat, sein Vergehen wiedergutzumachen, wird immer die nächste Stunde die liebste sein.

Obrist: So habe ich das Vergnügen, Sie morgen um 11 Uhr in der Augustinerkirche zu finden!

Marquise: Ich werde nicht heiraten. Laßt mich allein!

Forstmeister: Warum?

Obristin: Sie sind gehässiger gegen den Grafen als Sie gegen den Jäger gewesen wären. Haben Sie vergessen, daß Sie Mutter sind?

Marquise: Ich werde in diesem Fall mehr an mich als an das Kind denken; ich schwöre bei den Engeln und Heiligen, daß ich ihn nicht heiraten werde.

Forstmeister: Sie ist überreizt.

Obristin: Wir sind beständig überreizt.

Obrist: Sie werden Ihr Wort, daß Sie den Vater Ihres Kindes heiraten werden, halten. Ich werde einen Heiratskontrakt vorbereiten, in welchem der Graf auf alle Rechte eines Gemahls Verzicht tut, sich dagegen zu allen Pflichten, die man von ihm fordern wird, verstehen wird.

Marquise: Ich werde mich in der Kirche einfinden.

Graf: Ich werde auf alle Rechte eines Gemahls Verzicht tun, mich dagegen zu allen Pflichten, die man von mir fordern wird, verstehn. Ich werde eine Wohnung außerhalb des Hauses beziehn. Ich schenke meinem Kind zur Geburt 20 000. Falls ich sterbe, erbt meine Frau alles.

Marquise: Ich werde Sie heiraten.

Graf: Das sagten Sie.

Marquise: Ich werde Ihre Frau.

Graf: Ich verstehe Sie nicht.

Marquise: Ich sprach deutlich.

Graf: Verstehe ich Sie richtig?

Marquise: Ja.

Graf: Warum erschraken Sie so vor mir?

Marquise: Ich hatte einen Lasterhaften erwartet, ich erschrak vor Ihnen wie vor dem Teufel. Ich hätte es nicht getan, wenn Sie mir nicht bei unserer ersten Begegnung wie ein Engel vorgekommen wären.

...Kammerdienerin spielt mit einer zerfledderten Puppe und einem zerfledderten Teddy.

Kammerdienerin mit der Stimme der Marquise: Ich bin froh, daß du jung, schön, klug bist.

Kammerdienerin mit der Stimme des Grafen: Ich bin froh, daß du klug, schön bist.

Kammerdienerin mit der Stimme der Marquise: Ich bin froh, daß mich ein Graf schwanger machte.

Kammerdienerin mit der Stimme des Grafen: Ich bin froh, daß ich kein Dienstmädchen schwängerte.

Kammerdienerin mit der Stimme der Marquise: Hätten Sie es geheiratet?

Kammerdienerin mit der Stimme des Grafen: Ja. Hätten Sie sich von einem Diener heiraten lassen?

Kammerdienerin mit der Stimme der Marquise: Ja.

Kammerdienerin: Wie ist mein Herr Jesus entstanden? Ich will ans Himmelsreich glauben.

Teil II:

Das Gespräch der Bäuche verselbständigt sich.

Bauch: Ein Kater im Anzug, eine Katze im Kleid, sie gehen aufrecht, sie hat eine Zuckertüte auf dem Kopf, ein Teddy zieht das weg, stopft seine Pfote hinein, schlenkert, die Tüte fliegt, fällt mit der Spitze in ein Bonbonglas, ein Mädchen greift hinein, versucht, einen schwarzen Gummikönig herauszuziehen, der strampelt und dreht sich mit den Füßen einen Strick, der ihn in der Tüte festhält.

Bauch: Ein Kirchturm beugt sich, die Kuppel berührt die Straße, sie ist eine Bommelmütze, die eine Ratte auf dem Kopf trägt, die Mauer ist ein Jäger, der im Schlaf nach Mücken schlägt, hinter ihm watscheln schneeweiße Gänse, um ihre Füße sind Stahlfäden gebunden, an denen ein Koch ziehen kann, Wenn ich sie befreien will, muß ich ihnen die Beine rausreißen. Das besagt nichts. Ein Vogel steht in einer Küche am Herd, sein Schnabel ist eine Banane, die ins Essen tropft, er würgt sie aus sich heraus, schiebt den Rest seines Mundes nach vorn, einen Schnabel zeigen zu können, die Lippen zeigen nur den Sitz und Deckel eines Klos.

Bauch: Das ist die Fassade einer Wand, aus der Mauer schieben sich Steine, legen einen Gang frei, in den Kinder, Heuschrecken, kriechen, sie gelangen in einen Schankraum, setzen sich mit erhobenen Armen brav an die Tische, der Kellner ist ein Hund, sie werden Hunde, Schweine, als es dunkel wird, sind ihre Nasenlöcher Lampen.

Bauch: Kühe traben durch den Speiseraum eines Zuges, sie sind verkleidete Soldaten, ihr Fell verrutscht, sie stehen betend, lassen ihren Kopf schrumpfen, in sich hineinklappen, er ist eine leere Buchhülle, nach der eine Dame greift, sie malt keine Herzchen hinein, sie schreibt unleserlich.

Bauch: Streitet nicht schon wieder. Der Felsstein ist die Schulter eines Mannes, seine Hand ist aus Eisen, mit der er nach Pappkindern greift, eins dreht sich im Kreis, seine Aufmerksamkeit zu fesseln, die anderen fliehen, klettern, sehen zum Fußboden, hangeln zum Tischbein, den Boden erreichen zu können, der Mann ist erregt, sein Bein zuckt, seine Hand schlägt unter den Tisch, ein Teil der Kinder aus Papier kehrt auf den Schachtisch zurück.

Bauch: Eine Distel klappt ihre Stacheln nach oben oder unten wie Teile eines Schirms, in ihrer Blüte ist eine Glühbirne, die sich rausschraubt, losreißt, zum Licht fliegt, die Stücke von ihr und der zerschellten Wohnzimmerlampe fallen zum Boden, Kinder fassen sie an, sagen, was aus ihnen werden könnte, die Mutter steckt die Teile in den Ofen, Flammen schlagen heraus, die Hitze läßt das Haus beben, die Mutter zersägt einen Fisch in kleine Stücke, eine Scheibe rollt davon, fällt in die Nähmaschine und wird Kugel, das ist ein Steckkissen mit Nadeln. Das kannst auch du nicht bestreiten.

Bauch: Ich bestreite es. Eine Kasperpuppe, Teufel, er sitzt auf einem Glas, sein Kopf ist der Kopf einer Rose, sein Körper Trauerflor um ihren Stiel, unter dem Tisch ist ein Hund, er versucht Frauen an den Röcken hinter sich herzuziehn, sie werden Bilder, Postkarten, die Autos, Schwimmbecken, Häuser zeigen, er hält sie den Kirchgängern schwanzwedelnd entgegen, es sitzt neben dem Opferstock.

Bauch: Nein! Radfahrer auf dem weißen Kragen einer schwarzen Frau, sie läßt ihre Brille wachsen, Wind drückt von hinten gegen das Glas, läßt sie auffliegen.

Bauch: Du redest Unsinn. Die Frau schiebt einen Mann im Rollstuhl, um ihre Hüften liegt ein Strick, an dem Wagen mit Kindern hängen, Wölfe stellen sich in den Weg, ihre Pfoten sind Besen, auf die sich Vögel setzen, die Raubtiere sehen zu ihnen hin, die Frau geht zwischen ihnen hindurch, stellt sich unter den Rock einer Königin, dort ist es trocken, Wind weht, sie zieht weiter, kriecht mit Mann, Kindern in die Rüstung eines verfaulten Soldaten.

Bauch: Schmarrn. Die Fenster klappen zu, Enten sehen ratlos durchs Glas, das Wasser im Zimmer steigt, die Scheibe läßt sich zertrümmern, das Wasser fließt tropfend ab, höhlt den Kopf eines Kindes aus, ein Mann benutzt ihn als Aschenbecher, eine Frau als Graskopf, der Schädel wird Schuh, Eimer. So ist es.

Bauch: Aber ich bitte Sie. Licht fällt durchs Fenster in ein Zimmer, in dem Kinder schlafen, ihre Körper werden dünn, der Kopf groß, er ist hohl und schwankt bei jedem Luftzug, er schiebt Steinpfähle aus sich, um Teil eines Hauseingangs werden zu können, durch den Männer nach oben reiten, sie gleiten an einer Schwebeinrichtung vom Turm ins Tal, ihre Pferde sind weiß, sie haben Pappflügel umgeschnallt.

Bauch: Ich habe das auch gehört. Die großen Motorräder fahren in vorgeschriebenen Bahnen, Schienen, über einem Abgrund, die Fahrer, die es nicht ertragen, springen und fallen in Netze, in denen sie zappeln, bis ein riesiger Mensch vorbeikommt, das Netz zusammenklappt, sie als Puppen zu seinen Kindern schleppt. Ich hasse das.

Bauch: Was? Ein Vogel aus Holz wirft Schatten an die Decke einer Kneipe, auf ihrem Boden spielen Männer Karten, der Raum ist Boot, bricht, drüber weht eine Fahne, Tuch, das eine Taube mit einem Zweig im Schnabel zeigt. Vorm Fenster schwarze Gardinen, im Zimmer sitzt ein Vogel auf einem Käfig Willst du einen Schnaps?

Bauch: Du? Es ist so, Käfer legen weiße Teller und silberne Löffel auf ein Förderband, das Band ist schwarz, rast, wird senkrecht, die Teller fallen nicht ab, bis der Gummi zertropft, hinter ihm ist die gläserne Scheibe eines Eisenbahnwagons, dahinter Flußlandschaft, das Gummiband zieht sich zusammen, wird undurchsichtig. Ich nehme einen.

Bauch: Hat jemand eine Zigarette? Danke. Der Mann reitet auf einer Giraffe, sie zieht ein Wägelchen, auf dem eine Leiter steht, die an ihrem Hintern aufliegt, der Weg endet, die Giraffe wird Pferd, Esel, Es ändert nichts daran, daß sie an einem Abgrund steht, oben ist Mond.

Bauch: Für mich ist das kein Argument. Ein Strauch fällt von dem Dach eines Hauses in einen Bach, treibt, bis ihn das Wehr zerfleddert, ein Hase treibt Nägel in seine Rinde, das Holz zu spalten, er schiebt eine Hasen-Puppenstube hinein.

Bauch: Eine Katze dreht mit der Pfote einen runden Tisch, die Pfote bleibt kleben, reißt ab, die Katze humpelt, trabt, in Untergrundschächte, eine Frau legt ein Band um ihren Hals, zieht, die Katze kann nicht als Hund, Mann entkommen, sie kommt als Fisch aus der Schlinge, der kann in der Luft nicht leben , er verhärtet, wird Bombe, die nicht explodiert, die aufbricht, in ihr ist Feuer, an dem Frauen knien, sich wärmen, ihre Hände sind Flügel, sie halten sie aneinandergepreßt, beten. Das habe ich gesehn.

Bauch: Ach, laßt das. Ein Mädchen schmiert eine Fensterscheibe zu, um einen verbeulten Blechvogel nicht sehen zu müssen, es zweckt ein Plakat an die Wand, auf dem ein Mann die Schenkel einer Frau als Trittbrett benutzt, ein Liebespaar an die Wand über deckellosen Mülleimern zeichnen zu können.

Bauch: Du denkst nur an Sex. Ein Mann mit einem Vogel in der Tasche, eine Frau mit einer Rose in der Tasche, der Vogel holt die Blume, sein Schnabel wird lang, sein Flügelschlag hastig, er strebt einem Gefäß zu, in dem Tulpen stehen, steckt die Rose zwischen sie, die blüht auf, die Blütenköpfe brechen, werfen Samen in den Wind. Was dann?

Bauch: Witz. Denn es gibt ein Tor, es öffnet sich nicht, wächst zu, das Haus über ihm zerbricht, hinter dem Schuttberg sind Menschen, eine Ladenstraße, Neugier schwindet , eine Garnele verkauft an einem Stand Fische.

Bauch: Es ist aber immer so. Ein Eisbär sägt Holz, das Geräusch gefällt ihm, er will tanzen, er sägt nicht mehr, es wird still.

Bauch: Vergeßt nicht. Kinder staken auf Schlittschuhen einen Berg nach oben, ziehen ein Netz mit Fischen hinter sich her, schleppen sie in eine Höhle, über deren Boden aus Wasser eine Brücke aus Draht gespannt ist, an ihren Wänden hängen Bilder, dazwischen sitzt ein Vogel, er könnte echt sein , die Kinder legen die Fische auf einen Klebestreifen, der bewegt sich durch den Schnabel in eine Fabrik, in der Männer mit Waschbrettern an mit Sand gefüllten Zubern stehen, sie wollen die Fische waschen oder zerreiben, die Fische haben Messer in den Bäuchen. Mann muß Hoffnung haben.

Bauch: Rosenbüsche schweben, gemalt, an Ballons über einer Stadt, deren Häuser so eng stehen, daß niemand, der fliegt, zu ihren Eingängen gelangen kann. Ich will mich nicht belügen.

Bauch: Das ist aber eine Flußlandschaft, das Wasser ist Glas, es bricht, als es stürmt, regnet, graupelt, blitzt, durch die Bruchlöcher schreitet eine Holzfigur mit langer Nase in die Aktentasche eines Mannes. Ohne Lügen geht gar nichts, das weißt du, das weiß ich.

Bauch: Ich weiß nur: Wasser an der Scheibe eines Autos, ein Turm im Hintergrund bricht, ein Fernseher steht zwischen Trümmern, er zeigt einen Vogel, der einen anderen füttert, eine Katze geht mit hoch gerecktem Hintern vorbei.

Bauch: In einem Kellerloch springen Bälle, bewegen sich Schwammskulpturen, Es macht Unruhe , der Ausgang ist ein Loch an der Decke, Ich muß warten, bis Wasser reinfließt, steigt, hinzukönnen , ein Mann mit breitem Hut und weitem Mantel steht in der Ecke, hält einen Speer geschultert, der ist ein Kuli, Falls er ihn verschießt, macht er einen Punkt , Oder Blutvergiftung.

Bauch: Du untertreibst. Eine Eisenbahn fährt um einen Blumenstrauß, den ein Mann ergreift, zerschneidet, die Blüten verkleben, eine Frau setzt einem Mädchen den Kranz auf, die Knospen werden Kerzen, die Frau greift nach dem Ring, zerrt, dehnt ihn, er wird Zügel, das Mädchen Pferd vor einer Kutsche, die vollbepackt ist, alles abwirft, nur Fische, die auf einem silbernen Tablett liegen, bleiben.

Bauch: Mache keine Panik!

Bauch: Du willst immer das letzte Wort haben. Eine Frau sitzt auf einem gläsernen Himmel mit einem Besen, Sie kehrt ihren Boden, damit es von unten aussieht, als ob sie schwebt , das Glas bricht, sie fliegt, die Röcke sind Fallschirm, ihr Unterleib ist entblößt.

Bauch: Meine Frau hat einen Fisch am Zügel, läßt sich von ihm ziehn, sie könnte loslassen, im Wasser aufsteigen, Wenn sie erstickt, ist sie selbst schuld. Ich will nie das letzte Wort gehabt haben.

Bauch: Ein Hubschrauber senkt Rotorblätter, sie kratzen an seinem Bauch, er sinkt in sich zusammen, wird platt, Fisch, der wegschwimmen will, ein Strick hält ihn und macht ihn zum erdrosselten Vogel, nach dem ein großer Vogel greift, der an einem rosagedeckten Tisch sitzt und ihn genüßlich in seinen Schnabel schiebt.

Bauch: Das war ein schwarzer Rock, eine Frau hält den Flügel eines Kranichs, der neben ihr geht, in der Hand, dem Vogel entsteigt eine Puppe mit einer Kaffeekanne, sie rennt zu einem Baum, steigt in ein Loch, Baumhaus, die Möbel drin sind Bären, sie werden Vögel, hart und kantig.

Bauch: Du hast unrecht. Ein gläsernes Huhn sitzt auf einem Domturm, Thron, und spuckt Wasser auf die, die zu ihm hochstarren, Im Sommer ist das nett, wenn es kalt ist, nicht. Eure Moralbezeugungen sind albern.

Bauch: Höre mir bitte zu. Schildkröten sind auf dem Rücken einer Schildkröte, der Kopf einer Giraffe ist eine Fahne, durch den Zug, der vorbeifährt, fliegt ein Käfer, Er scheint zu glauben, daß er im Zug schneller ist .

Bauch: Wer glaubt nichts. Aus einer Tasse kriecht ein Käfer, er setzt sich auf ein Brot, nach dem ein Kind greift, der Käfer wird Hand einer Drahtfigur, die das Brot zerreißt, die Puppe steckt es sich zwischen den Draht, als sei da ein Mund, sie ahmt nach , das Brot krümelt zu Erde, ein Bus, in dem schwarze Mäntel hängen, fährt vorbei.

Bauch: Hinzukommt, daß ein Mann mit mehreren Pinseln auf einem Glas kreist, malt, der Pinsel durchstößt als Füllfederhalter die Scheibe, wird Messer, das der Mann an sich zieht, er schwingt sich aufs Pferd, reitet bis an den Abgrund, er fällt auf Klippen, der Mann neben ihm fliegt, an Gänsefüße geklammert, in den Himmel, in dem ein Halbmond ist.

Bauch: Nein, nein. Ein Mann trägt eine Leiter auf dem Rücken, kleine Autos fahren vorbei, drin sind keine Puppen, sondern kleine Menschen, sie führen Küken wie Hunde an Leinen über die Straße, Lastwagen fahren sie platt, die großen Autos fahren gegen die Häuser, die Wände stürzen ein, Ein großes Auto ist eine schwere Waffe . Wir sollten nett zueinander sein.

Bauch: Ich liebe das. Das ist schleimig. Der Mann hat nur ein Bein, es hat Flecke, es ist der Rüssel, den ein Elefant durch ein Loch im Unterleib des Mannes steckte, der Mann verholzt, um mit Fäden an Kopf, Armen, sich schwebend bewegen zu können , er ist sehr schön bemalt.

Bauch: Du bist besoffen. Ein Flugzeug, eine Rakete startet, ihr Feuer ist geschmolzenes Metall, das härtet aus, die Rakete wird schwer, stürzt ab, bläht sich auf, wird ein Ballon, der kreist, Gondeln hängen sich dran, er ist also ein Karussell, das sich von der Erde löst, in den Himmel treibt, Die Menschen werden erfrieren , sie kotzen alles Flüssige aus, wiederbelebt werden zu können.

Bauch: Du hast recht. Die Straßen sind von Aquarien begrenzt, die eine endet an einem Loch, über das sich ein Gummituch spannt, Wer schwer ist, hat es schwerer , drunter fließt ein Bach, Menschen steigen zu ihm hin, bevor sie ihn erreichen, werden sie weggesogen und zur Schaufel eines Baggers, der an den Talwänden schabt.

Bauch: Das ist eine großartige Idee. Ein Auto fährt, es fährt unter den Röcken von Frauen durch, die mit gespreizten Beinen stehen, fällt vom Tisch in ein Zimmer, in dem die Katze mit ihm spielt, das Autodach aufreißt, drin sitzen Entlein mit Kopftüchern, die so bittend, charmant gucken, daß die Katze sie leben läßt, sich an den Wohnzimmertisch setzt, Milch und Sahne schleckt, sie wird von der Frau verjagt, die Katze schiebt eine Absaugmaschine an den Tisch, die saugt und, spuckt kurz später, Goldtaler aus.

Bauch: Das ist nicht sonderlich interessant. Treppen bohren sich in die Erde, auf ihnen stehen Männer mit Kauboyhüten, die Hüte sind Brüste, aus denen Kanonen Milch und Blei verschießen, die Milch steigt, Schwimmvögel können das überleben , die Milch steigt auf einer Bühne, sie ist von Glaswänden umgeben, durch das Glas schieben sich Schläuche, die Zuschauer sitzen gefesselt auf Stühlen, sie werden begossen, wachsen, die Stühle wachsen nicht mit.

Bauch: Ich habe das auch schon gesagt - kleine Elefanten ziehen eine Kutsche, auf dem Kutschbock ist ein größerer, drin sitzt ein großer, er bricht durchs Dach, sein Rüssel und die Ohren sehen aus wie ein gereckter Mittelfinger, Das heißt leckt mich , einer wirft Feuer an die Kutsche, sie brennt nicht, sie bricht, heraus fallen Kartoffeln, die ein Mann in Scheiben hackt, mausähnliche Tiere mit roten Höschen schleppen das davon.

Bauch: Kennt ihr schon den? Ein Korkenzieher ist an einen Flaschenhals gebunden, er giekelt in die Luft, sticht nicht, die Flasche steht in dem Schaufenster eines Uhrenladens, in den ein schwarz vermummter Mann tritt, in seinem Korb sind Heringe, der Uhrmacher nimmt sie an, taucht sie in Paraffin, klebt sie an die Zeiger einiger Uhren, die Zeiger kommen nicht aneinander vorbei, bis Druck die Fische zerfleischt hat, nach unten fallen Glasperlen, sie fallen in Wasser, das spritzt, erstarrt, wird Krone, ein Landstreicher setzt sie sich auf, wirft sie weg, sie kullert und wird ein Laufrad, in das ich Mäuse, Hamster setzen könnte.

Bauch: Ich verstehe euch, das alles nicht. Der Deckel einer Thermoskanne ist doch der Hut eines Zwerges, ihm folgen Wurzelmänner, die Kanne steht im Keller, drumrum sind Versorgungsleitungen, Sie sind klein, sie könnten sie nicht abdrehen , Wasser strömt aus einem Rohr, die Figuren klettern über die Kohlen durchs Fenster, steigen über Bänke, Mauern, bis aufs Dach, laufen über Dächer, spannen sich ein Zelt am Schornstein auf, Sie müssen vermutlich nichts essen.

Bauch: Ich möchte abschließend gesagt haben: Dieser Kleinbus öffnet die Tür, eine Frau steigt aus, sie trägt in einem gläsernen Eimer einen Fisch, das Glas wird löchrig, der Fisch wird ein Vogel, der drängt gegen die Gitter, wird ein Junge, der hungert, bis er schmal genug ist, durch die Löcher fliehen kann, ein Auto fährt auf ihn zu, er weicht aus, der Fahrtwind reicht, ihn in die Luft zu schleudern, als er auf den Boden fällt, ist er eine Maus, die in eine Schule aus Lebkuchensteinen geht. Es ist immer dasselbe. Ein Kleinbus öffnet die Tür, eine Frau steigt aus, sie trägt in einem gläsernen Eimer einen Fisch, das Glas wird löchrig, der Fisch wird ein Vogel, der drängt gegen die Gitter, wird ein Junge, der hungert, bis er dünn genug ist, fliehen kann, ein Auto fährt auf ihn zu, er weicht aus, der Fahrtwind reicht, ihn in die Luft zu schleudern, als er auf den Boden fällt, ist er eine Maus, die in eine Schule aus Lebkuchen geht.

Bauch: Ihr hört mir gar nicht zu. Ein Kamm mit einem Zinken, eine Bohrmaschine, nähert sich dem Kopf, dreht die Haare ein, läßt sich nicht rückwärts drehen, ein Mann schneidet die eingedrehten Haare über der Kopfhaut ab, der Friseur seift die Haut ein, der Schaum ist eine weißlockige Perücke, Der Mann muß auf der Straße so tun, als ob er das Theatralische mag. Eine Burg treibt auf einer Scholle an einer Erdscholle, auf der ein Auto steht, vorüber, ein Schiff, beladen mit Kartons, die oben spitz zulaufen fährt dazwischen, in den Papphütten wohnen Hunde, drumrum läuft ein Band, die Hunde können rennen, ohne von ihrem Heim wegzumüssen.

Bauch: Ich muß dazu sagen: Aus einem Ärmel dringt eine Gabel, Zwiebelscheiben schieben sich auf die Zinken, ein Mann knabbert sie ab, drückt die Gabel nach unten, an seinen Bauch, kratzt sich über die Haut, ein anderer greift nach dem Stiel, sticht zu, hält den Mann über Feuer, das ihn so verformt, daß er ein Schwein sein könnte.

Bauch: Was soll das! Das kennen wir alle. Ein Kühlschrank öffnet sich, heraus tritt ein Katze, ein Hund bleibt drin, wird Fisch, der zwischen den Flossen eine Klapper hält, der Fisch wird Mensch, tritt ohne Gesicht aus dem Schrank, steigt auf ein Pferd, an dem Kopf ist eine Fechtmaske, der Mann schießt mit einer Pistole auf Turnierreiter, am Himmel baumeln wieder tote Fische.

Bauch: Ein Kirchturm schob sich aus Decken, er ist kein Penis, ein Mann schleudert ihn fort, er will zu seiner Frau kommen, doch zwischen den Betten ist ein Loch, es weitet sich, wächst, führt in die Tiefe, in der Männer Leitungen verlegen, Das ist Baulärm, auch wenn ich ihn zur Musik erkläre . Der Korken einer Flasche hebt sich, Käfer schieben ihn, sie klettern raus, überschwemmen Boden, Stühle, Tische, einige werden von Schuhen zertreten, andere laufen an Beinen hoch, die Kehrmaschine vernichtet das.

Bauch: Bockwürste platzen auch, sie sind Häuser mit Fenstern, Türen, rollen neben Menschen, die einander am Zügel halten, deren Bäuche sind Kinderwagen, drin liegen Fische, die von Vögeln, die auf dem Wagenrand sitzen, mit Würmern gefüttert werden.

Bauch: Eine Brücke bricht, klemmt einer schwimmenden Frau den Fuß ein, die rudert mit den Armen, bis sie erschöpft ist, verfault, wird eine Wasserpflanze, die Männer, Frauen, Kinder im Aquarium besichtigen, Sie sehen das Schöne, nicht das Brutale.

Bauch: ‘>Sie sehen das Brutale, nicht das schöne.< Esel laufen über gelben Boden auf Türme, Häuser zu, sie werden Pferde und so groß, daß sie die Mauern nicht eintreten, daß sie sie übersteigen, sie zertreten Menschen, die ihnen nicht ausweichen können, die Menschen werden Pappgestalten, die eine Feder aufrichten kann.

Bauch: Metallspitzen auf Frauenschultern, dazwischen ,ein Drachenkopf, er öffnet das Maul, in seinem Schlund steht ein Zinnsoldat, der lebendig wird, über die Zunge läuft, in die Augen derer schießt, die neugierig, ängstlich zu ihm gucken, die Blinden setzen sich brav auf die Holzbänke, die an Holztischen stehen, auf denen leere Teller sind, die möglicherweise gefüllt werden. Lacht nicht!

Bauch: Lacht! Auf einer Wand sind rote Flecke, es ist eine spanische Wand, hinter ihr steht ein Tisch, an dem Menschen essen, das heißt, ein Schwein sitzt vor einer Registrierkasse, das, was ihm gegenüber ist, wird immer kleiner, Plüschkind, Das sagt, daß der Mensch sich nicht wehrt.

Bauch: Das Loch zwischen den Beinen einer Frau spuckt Geld aus, das Loch ist eine Hundehütte, das Vieh drin frißt das, das Geld ist mittels Faden verbunden, der Hund kackt es aus, ein anderer Hund frißt das, die Hunde stehen am Strick, wenn einer umfällt, schwanken alle. Ein Kind mit einem Fensterauge, neben ihm ist eine Vase mit einer Rose, eine Angel, ein Boot; das Augenfenster bleibt zu. Ich mag das Rhetorische nicht.

Bauch: Was ist Poesie? Ein dicker Mann wird dicker, sein Hut kleiner, er hat einen Köcher in der Hand und fängt Vögel, die am Harz von Bäumen kleben, goldene Kronen tragen, er steckt sie in Pressen und legt sie als Spielkarten auf den Tisch. Warum siezt du mich plötzlich?

Bauch: Sei nicht so empfindlich. Die Bürgersteige heben sich, der Park auch, es zerklüftet die Stadt, durch den Boden brechen Sonnenblumen, sie weinen Kerne, die erschlagen niemanden, sie tun niemanden weh, sie werden zum Boden, den man essen oder festtreten muß, wenn man in ihm nicht versinken will.

Bauch: Du bist ekelhaft melodramatisch. Ein Nashorn steht als Skulptur im Park, sein Horn wächst, bis es kippt, ein Kran greift nach seinem Schwanz und zieht Strick aus seinem Bauch, den er um Stämme wickelt, Bäume aus der Erde zu reißen, um Häuserwände, um sie einstürzen zu lassen, Wasser sprudelt aus der aufgerissenen Erde, steigt, Frösche rudern, sie finden nichts, auf dem sie sich ausruhen könnten, ersaufen.

Bauch: Eine Blume schiebt den Stempel, eine Lanze, steil nach oben, bis sie schwankt, fast bricht, Männer halten Fensterglas hin, sehen zu, wie der Metallstab drauf fällt, an ihm schabt, Glas bricht, sie holen neues, die Scherben verschmelzen, stützen die Lanze, sie wird Flamme, die ein Vogel löscht, er entleert Wachsgefäß, Er will sein Nest ins Glas. Wir sollten schlafen gehen.

Bauch: Ein Eichhörchen sitzt auf einem Teppich, seine Schlingen halten es fest, es wird dünn, Stricknadel, mit der eine alte Frau Wolle vernetzt, im Gasherd neben ihr ist ein Holzfeuer, die Flammen kriechen in die Röhre, das Gas weicht vor ihnen zurück, bis es in Brand gerät, das Haus brennt, schwimmt auf einem See, es regnet, eine Füchsin setzt sich in die verkohlten Hausreste und läßt sich von einem Löffel Schlagsahne ins Gesicht werfen. Du hörst doch nicht auf zu reden.

Bauch: Ich schon. Ein Schiff steht auf einer sich drehenden Platte, es kommt nicht runter, obwohl es sich in ein Motorrad, eine Gans verwandelt, der Mann, den es trägt, klettert an Ketten auf das Dach des Karussells, reckt die Arme zum Himmel, läßt sich zurück zu den Ketten, dem Boot, das ein Holzpferd ist, gleiten. Du redest und redest.

Bauch: Mäuse sind in Flaschen, sie können eben nicht raus, jemand wirft Körner hinein, die entzünden sich, die Mäuse fallen als Asche aus den Gefängnissen; eine Kugel zerbricht, aus ihr rollt ein Feuerball, ihr folgen haushohe Echsen, ihnen folgen hundsgroße Ratten, deren Hälse in Hundeleinen stecken, die Ratten werden Hühner, Beine in der Schlaufe der Leine, frauenähnliche Puppen, die, über Kopfsteinpflaster gezogen, zerfallen, wir Männer lassen die Stricke nicht los.

Bauch: Wozu? Windmühlenflügel sind der Propeller eines abgestürzten Flugzeuges, Ratten turnen auf ihm, sie sind aus Plüsch, sie haben Schlüssel im Rücken und ziehen einander die mechanischen Werke auf, bevor sie abgelaufen sind; sie turnen auf dem Tisch eines Herrengarderobeladens, in den Taschen der Mäntel und Jacken ist Trödliges, der Raum ist ein Gebrauchtwarenladen, niemand kann in ihn rein, niemand kann raus, er hat keine Tür.

Bauch: Eine Schildkröte mit Giraffenhals versucht, auf ein Autodach zu kommen, sie ist ein Schwimmring, ein Kind hilft ihr rauf, Fahrtwind reißt ihr den Hals auf, drin ist eine Fabrik mit einer Badewanne, Menschen legen sich in sie, übereinander, Der unten ist, muß ersaufen , aus der Badewanne quillt glitzernd Schaum.

Bauch: Hinein taucht eine Hand mir Raketenfingern, Bei jeder Bewegung sind andere Stellen bedroht , ein Mann hackt die Hand ab, aus den Adern, Armknochen schieben sich Messerklingen, Rohre, auf ihnen sitzen Kröten, Dieser Maschinerie kann man ausweichen.

Bauch: Ein Mann hat eine Spielzeugeisenbahn wie eine Schlange im Ärmel, er läßt sie nicht entwischen, die Lokomotive wird eine Krokodilsschnauze, sie kann ihn nicht beißen.

Perkussionsmusik wurde laut.

Die Bäuche wurden gebeutelt, rissen ein, erschlaffen.

Alte Frau: Ich bin seine Mutter.

Ein Mann geht über die Bühne, sein Bauch ist eine Telefonwählscheibe, in die er beständig greift, Meine Mutter stürzte, schrie leise vor Schmerz, sah, daß ich lachte, sie haßte mich, ´Mistvieh, hau ab.´ Ich sah sie verständnislos an. ´Ich habe Schmerzen, du lachst.´ - ´Ich lachte nicht.´ - ´Bist du zu blöd zu merken, was du tust?´ -´Es sah aus wie im Film. Du hättest das auch getan, das Lachen.´ Ich kann hier nicht weggehn.

Das Mobiliar wird Menschen.

Der Bürgermeister ist tot.

Er soll vergast worden sein.

Der Vulkan auf der Nebeninsel nebenan brach aus.

Sekt!

Das löscht nichts.

Die Herde sind untereinander verbunden. Die Lava könnte dort ausgebrochen sein, wo es am einfachsten ist.

Der Zeiger spielt weiterhin verrückt.

Kind: Was steht in der Zeitung?

Die fetteste Schlagzeile beschäftigt sich mit den Wahlen.

Ist dein Bruder nicht beim Militär?

Kein General.

Er sollte mit einem ins Bett gehn. Wir brauchen einen Putsch.

Siehst du die Wolken? Die eine steigt steil nach oben. Die andere jagt auf uns zu.

Kind: Ich will fliegen können.

Komm Kindele. Ich bin dein Flugzeug.

Ein Luftballon ragt aus einem Mund, Ich will nicht als Jungfrau sterben.

Das Hausähnliche fällt zu Lumpenbündeln zusammen. Das Klo baut sich aus den Trümmern auf.

Ein Mann sitzt drauf, liest Zeitung. Die Zeitungsartikel beginnen zu brennen...

 

 


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